Windows 10
für sehbehinderte Menschen
Eine unabhängige Verbraucherinformation
für Menschen zwischen sehend und blind

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Monitor und Grafikkarte

Empfehlungen zur Auswahl des Monitors
Empfehlungen zur Auswahl der Grafikkarte

Vom Röhrenbildschirm zum Breitwandkino

Die technische Entwicklung der Monitore begann mit dem Röhrenbildschirm (CRT): aus
einer zentralen Lichtquelle wurden die Informationen auf einen Teil der Oberfläche einer
Kugel projiziert. Aus den technischen Bedingungen der Kugel ergab sich das Bildformat
von 4 : 3 (Breite : Höhe), das von der ersten Generation der Flachbildschirme (TFT)
übernommen wurde. Da die Technik der Flachbildschirme mit nebeneinander liegenden
einzeln beleuchteten Bildpunkten hinsichtlich der Bildschirmgröße keine technische
Grenzen setzt, ging der nächste Schritt zum Monitor mit einem Seitenverhältnis
 von 16 : 10, auf dem zwei DIN-A-4-Seiten vollständig nebeneinander gezeigt werden
 können. Heute wird die Größe der Bildschirme durch die Nachfrage von Filmkonsumenten
 und Spielern beherrscht, so dass die Mehrheit der Bildschirme im 16 : 9-Format
produziert wird.

Auflösung: Sehbehinderte Menschen ins Abseits

Parallel dazu wurde die Auflösung der Bildschirme immer höher und der Pixelabstand
immer geringer. Das macht es möglich, immer schärfere und feinere
 Bilddarstellungen zu zeigen.
Auf einem Standardbildschirm Anfang der 90-er Jahre (14 Zoll) betrug der Pixelabstand
und damit die minimale Strichstärke für Schrift noch etwa 0,45 mm. Auf einem
 „großen” Bildschirm (21 Zoll) erreichte der Pixelabstand und damit die Strichstärke
mehr als 0,6 mm. Heutige Standardbildschirme haben einen Pixelabstand und damit
eine Strichstärke von weniger als 0,3 mm. Größere Bildschirme haben eine höhere
Auflösung und zeigen mehr, aber nicht größer. Wer also mit seinem Sehvermögen
 vor rund 25 Jahren an einem großen Monitor gerade noch zurechtkam, der
benötigt heute eine Bildschirmvergrößerung um den Faktor 2 bis 3 (200 bis 300 Prozent)
und sieht nur ein Viertel bis ein Neuntel des Bildschirms. Wer vor 25 Jahren mit einer
2-fachen Vergrößerung hätte arbeiten können, der braucht jetzt eine Vergrößerung mit
dem Faktor 4 bis 6.  Kurzum: die technische Entwicklung hat immer mehr Sehbehinderte,
deren Sehvermögen im Grenzbereich liegt, in die Abhängigkeit von Software für
Bildschirmvergrößerung gebracht. Dabei ist der Bildschirm im 16 : 9-Format von Nachteil,
weil die Breite im Verhältnis zur Höhe schneller wächst als beim 16 : 10-Format.

Apps erfordern Breitbild - Internetseiten werden schmaler

Wichtig zu wissen ist, dass Metro-Apps von Windows einen Bildschirm im
16 : 9-Format erfordern. Die neuen Metro-Apps sind unter Einsatz der Bildschirmlupe
vergrößerbar, sind aber auf 4 : 3-Bildschirmen nicht vollständig erreichbar:
Der rechte Rand bleibt unerreichbar. Ob bei Windows 10 dieser Effekt ebenfalls auftritt,
muss noch getestet werden.
In umgekehrter Richtung verläuft die Entwicklung von Webseiten. Während eine
Zeitlang immer mehr Sites den Randbereich mit weiteren Inhalten füllten, geht der Weg
jetzt zu schmalen Websites mit 768 Pixeln Breite. Ursache ist dafür, dass die Entwickler
Wert darauf legen, dass Besitzer von Smartphones die Seiten lesen können, ohne dauernd
von links nach rechts und zurück zu scrollen.

Entscheidungskriterium

Entscheidendes Maß für den Monitor ist der Pixelabstand und damit die Größe des Pixels,
den die Hardware darstellen kann. Pixelabstände liegen heute bei 0,25 bis 0,30 mm. Das
Bild bei einem Pixelabstand von 0,30 mm entspricht dem Bild eines Monitors mit einem
Pixelabstand von 0,25 mm bei einer Software-Vergrößerung von 125 Prozent. Wer auf
einem Monitor mit 0,25 mm Pixelabstand eine Vergrößerung von 500 Prozent braucht,
sieht noch 4 % des Bildschirms, bei 0,30 mm braucht er nur 400 Prozent und sieht noch
6 % des Bildschirms.
Wie viel man von einer DIN-A-4-Seite zu sehen bekommt, hängt von der Bildschirmgröße
und seinem Format ab. Wenn auf einem Bildschirm zwei DIN-A-4-Seiten nebeneinander
dargestellt werden, sieht man mit 200 Prozent Vergrößerung noch die Breite einer ganzen
Seite, und in der Höhe eine halbe Seite. Wer also sein Sichtfeld vergrößern will, kauft
einen großen Monitor mit großem Pixelabstand. Ob es komfortabel ist, einen sehr großen
Monitor (27 Zoll mit 2560 x 1080 Pixel) zu kaufen, um ihn dann mit geringerer Auflösung
(etwa 1280 x 540) zu betreiben, um so schon über die Hardware eine Vergrößerung zu
erreichen, hat der Autor aufgrund der hohen Preise dieser Monitoren nicht ausprobiert.

Empfehlungen zur Auswahl des Monitors

Verbrauchertipp:
Der neueste Test von Bildschirmen ist von Stiftung Warentest im April 2015 veröffentlicht
worden. Er kann gegen eine geringe Gebühr heruntergeladen worden.
Verbrauchertipp:
Das unübersichtliche Angebot der Monitore lässt sich im Preisvergleichsportal Idealo
komfortabel sortieren. Idealo ist keine unabhängige Verbraucherorganisation, sondern
Dienstleister der Anbieter.

Eine generelle Empfehlung für den Bildschirmkauf kann nicht gegeben werden. Die Wahl
des optimalen Bildschirms hängt von folgenden Faktoren ab:

  1. Sichtfeld
    Welche Fläche kann bei der Arbeit überschaut werden? Es ist nicht ergonomisch,
    wenn ein begrenztes Sichtfeld dazu zwingt, eine ungesunde Haltung einzunehmen
    oder den Kopf ständig hin und her zu drehen. Grundsätzlich sollte in Betracht
    gezogen werden, einen Bildschirm im 16 : 10-Format vorzuziehen oder zu einem
    (meist noch gebraucht zu erhaltenden) 5:4-Bildschirm zu greifen.
    Windows 8 macht insofern das Testen von Bildschirmen leichter, weil die
    Bildschirmvergrößerung Magnify auf jedem Windows-7 und 8-Rechner verfügbar ist.
    Mehr dazu unter Bildschirmlupe einrichten. Nehmen Sie die Tipps zur Einrichtung
    der Bildschirmvergrößerung mit, wenn Sie Monitore bei Händlern oder Freunden
    ansehen. .
    Der Test sollte die Frage beantworten: Welche Darstellung – etwa der Schrift – muss
    erreicht werden, damit ein ermüdungsfreies Arbeiten möglich wird? Welche
    Kombination von Hardware (Größe des Handware-Pixels) mit welcher
    Softwarevergrößerung leistet diese Darstellung am besten?
  2. Auflösung
    Kommt in Betracht, dien Bildschirm mit einer geringeren als der nativen Auflösung
    (= Hardware-Auflösung) zu betreiben? Dies kann aber einen Verlust von Schärfe der
    Darstellung nach sich ziehen.
  3. Helligkeit
    Genügt die Helligkeit des Bildschirms? Röhrenbildschirme wie auch
    LCD-Bildschirme leisteten eine hohe Helligkeit von 400 cd/m². Solche Monitore sind
    oft nur noch gebraucht zu bekommen. Die neueste Generation von
    LED-Bildschirmen kommt oft nur auf 250 cd/m², manchmal nur auf 200 cd/m².
    Zu empfehlen sind 350 cd/m². Bei Tests ist zu beachten: Herstellerangaben werden
    oft nicht erreicht, und Helligkeit lässt sich einstellen. Mehr Helligkeit bedeutet mehr
    Stromverbrauch und schlägt sich auch beim Kaufpreis nieder. Aber bei Hilfsmitteln
    für den täglichen Gebrauch sollte man nicht sparen.
    Es gibt Softwarelösungen zur Regulierung der Helligkeit, so dass ein Dimmen des
    Bildschirms komfortabel möglich ist.
  4. Kontrast
    Ein Kontrastverhältnis von (typisch) 1.000 : 1 ist heute Standard und sollte auf jeden Fall erreicht werden. Ältere LCD-Monitore leisten deutlich mehr.
  5. Reaktionszeit
    Entspricht die Reaktionszeit dem Bedarf? Bildschirme mit zu geringer Reaktionszeit
    führen zu einem ruckelnden Bild beim Navigieren mit Bildschirmvergrößerung.
    Bildschirme mit 5 bis 6 ms Reaktionszeit sollten genügen. Die für Spiele
    hochgezüchteten Reaktionszeiten von 2 ms oder gar 1 ms werden nicht benötigt.
  6. Entspiegelung
    Ist der Bildschirm entspiegelt? Reflektionen auf spiegelnde Oberflächen
    beeinträchtigen die Nutzbarkeit.
     

Softwarevergrößerung statt Hardwarevergrößerung?

Eine Alternative zum besseren Monitor scheint auf den ersten Blick zu sein,
sich mit einem Standard-Monitor zufrieden zu geben und nur Software für die
Vergrößerung zu nutzen. Solche Möglichkeiten sind auch in Programme wie Word,
OpenOffice Writer oder Adobe Acrobat Reader eingebaut. Sie bieten die
Möglichkeit der Skalierung, ebenso Internetbrowser. Meistens ist dann nur ein kleinerer
Teil der Seite auf dem (Normal-) Bildschirm sichtbar. Um diese Teile zu erreichen, kann
man nicht einfach mit der Maus „hinfahren“, sondern muss scrollen, außerdem wachsen
die Bedienelemente wie Menüs. Informationen und Schaltflächen nicht mit. Der Autor
kann solche Lösungen nicht als erste Wahl empfehlen, sondern nur als Zusatznutzen.
Am Arbeitsplatz sollten Sie solche Hinweise auf Softwarelösungen strikt ablehnen,
denn das geht zu Lasten Ihrer Leistung!

Empfehlungen zur Grafikkarte

Die Entwicklung der Grafikkarten ist von den Ansprüchen der Filmseher und Spieler
geprägt. Auch die Bildschirmvergrößerung erfordert viel Grafikleistung. Empfohlen wird
 daher eine Grafikkarte für DirectX 10 oder höher mit 256 MB Video Speicher.
Wenn ein Monitor mit einer Auflösung von 2560 x 1440 oder 2560 x 1600 in Betracht
kommt, muss die Grafikkarte diese Auflösung unterstützen. Allerdings sind solche
 Monitore und  Grafikkarten nicht nur teuer, sondern auch Stromfresser.

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